Heute möchte ich einmal über eine Seite von mir schreiben, die mich nicht unbedingt von meiner besten Seite zeigt.
Denn niemand ist perfekt. Jeder macht Fehler.
Und ja – sogar ich. 😄
Ich mache Fehler. Ich bin nicht perfekt. Und es gibt Eigenschaften an mir, mit denen ich mich immer wieder auseinandersetzen muss.
Ich vertraue Menschen zu schnell
Einer meiner größten Fehler ist wahrscheinlich, dass ich mich Menschen gegenüber zu schnell öffne.
Ich lasse Menschen schnell an mich heran, schenke ihnen Vertrauen und erzähle manchmal Dinge über mich, die ich vielleicht noch gar nicht erzählen sollte.
Und wenn ich damit auf die Nase falle, denke ich:
„Mein Gott … jetzt ist mir schon wieder derselbe Fehler passiert.“
Ja. Das ist mir schon oft passiert.
Manchmal gebe ich Informationen über mich preis, die später sogar gegen mich verwendet werden könnten. Natürlich macht das nicht jeder Mensch. Aber leider habe ich es häufiger erlebt, als mir lieb ist.
Dann könnte man natürlich fragen:
„Warum hast du dieser Person überhaupt vertraut?“
Die Antwort ist eigentlich ziemlich einfach:
Weil ich so funktioniere.
Wenn mir jemand näherkommt, gehe ich zunächst vom Guten aus. Ich neige dazu, das zu glauben, was mir jemand erzählt, und Vertrauen relativ schnell zu schenken.
Manchmal wahrscheinlich zu schnell.
Ich rege mich zu schnell auf
Ich kann außerdem ziemlich impulsiv sein.
Wenn ich einem Menschen zuhöre, für ihn da bin, seine Probleme, Sorgen, Freuden und Gedanken anhöre, wünsche ich mir natürlich auch, dass jemand für mich da ist, wenn ich ihn brauche.
Und wenn das nicht passiert, bin ich schnell enttäuscht.
Dann kommt dieses Gefühl:
„Ich habe dir zugehört. Ich habe alles für dich stehen und liegen lassen. Als du mich gebraucht hast, war ich da. Warum bist du jetzt nicht da, wenn ich dich brauche?“
In solchen Momenten fühle ich mich manchmal wie ein seelischer Mülleimer.
Dabei muss das überhaupt nicht der Fall sein.
Vielleicht passt es für den anderen Menschen gerade einfach nicht.
Vielleicht hat er selbst Probleme.
Vielleicht beschäftigt ihn gerade etwas Wichtiges.
Oder vielleicht hat er in diesem Moment einfach nicht die Kraft, sich auch noch meine Sorgen anzuhören.
Heute verstehe ich das wesentlich besser.
Denn ich funktioniere anders
Wenn mir jemand sagt:
„Ich muss dir unbedingt etwas erzählen“,
lasse ich häufig alles andere liegen.
Wenn jemand mich braucht, stelle ich meine eigenen Dinge schnell hinten an.
Ich mag das Gefühl, dass Menschen sich auf mich verlassen können. Ich höre ihnen gerne zu und hoffe, dass es ihnen danach vielleicht ein bisschen besser geht.
Aber genau hier mache ich einen entscheidenden Fehler:
Ich erwarte von anderen, dass sie genauso funktionieren wie ich.
Und das ist nicht fair.
Andere Menschen haben andere Prioritäten und andere Grenzen. Vielleicht können sie nicht sofort alles stehen und liegen lassen.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ihnen meine Probleme egal sind.
Das musste ich lernen.
Manchmal habe auch ich Grenzen überschritten
Ich erinnere mich an eine Situation, in der mir jemand ganz klar sagte:
„Sei mir nicht böse, aber gerade passt es nicht. Ich habe sehr viel zu tun. Schreib es mir einfach.“
Und was habe ich gemacht?
Ich habe es nicht geschrieben.
Stattdessen habe ich eine minutenlange Sprachnachricht geschickt.
Und als die Person mich darauf hingewiesen hat, war ausgerechnet ich beleidigt.
Im Nachhinein betrachtet ist die Sache vollkommen eindeutig:
Nicht die andere Person hätte sich mir anpassen müssen.
Ich hätte ihre Grenze respektieren müssen.
Ich hätte einfach denken sollen:
„Okay. Jetzt passt es nicht. Wir sprechen darüber, wenn Zeit dafür ist.“
Aber genau das habe ich nicht gemacht.
Das Gefühl in mir war so stark, dass ich unbedingt sofort erzählen wollte, was mich beschäftigt.
Dabei habe ich nicht verstanden, dass nicht nur meine eigenen Gefühle wichtig sind.
Auch die Grenzen meines Gegenübers sind wichtig.
Später habe ich meinen Fehler eingesehen.
Ich habe mich entschuldigt.
Aber ich habe auch gelernt, dass eine Entschuldigung nicht immer ungeschehen machen kann, was bereits passiert ist.
Ich arbeite daran
Ja, ich habe Fehler.
Ich möchte mich dafür nicht selbst entschuldigen oder rechtfertigen.
Aber ich möchte auch nicht sagen:
„So bin ich eben.“
Denn das wäre mir zu einfach.
Ich lerne, dass nicht jeder Gedanke sofort ausgesprochen werden muss.
Ich lerne, dass nicht jedes Gefühl eine sofortige Reaktion braucht.
Ich lerne, dass ein „Jetzt passt es nicht“ nicht automatisch bedeutet, dass der anderen Person meine Gedanken egal sind.
Und vielleicht lerne ich gerade etwas noch viel Wichtigeres:
Menschen müssen nicht genauso funktionieren wie ich, damit wir einander wichtig sein können.
Wenn ich für jemanden alles stehen und liegen lasse, ist das meine Entscheidung.
Ich darf daraus aber keinen Maßstab machen, den andere erfüllen müssen.
Ich kann nicht erwarten, dass jeder genauso liebt, genauso zuhört und genauso hilft wie ich.
Denn jeder Mensch ist anders.
Gleichzeitig möchte ich aber auch nicht die Seite an mir verlieren, die anderen gerne zuhört.
Mir bedeutet es viel, wenn jemand mir vertraut. Und ich möchte für Menschen da sein, die mich brauchen.
Ich muss nur lernen, Grenzen zu setzen.
Nicht nur die Grenzen anderer Menschen zu respektieren, sondern auch meine eigenen.
Und ich muss lernen, dass Vertrauen nicht bedeutet, einem Menschen vom ersten Moment an alles von sich geben zu müssen.
Vertrauen darf langsam wachsen.
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich in letzter Zeit gewonnen habe:
Es ist nicht schlimm, Fehler zu machen.
Problematisch wird es erst, wenn wir nicht bereit sind, unsere Fehler zu erkennen.
Ich erkenne meine.
Manchmal spät.
Manchmal erst, nachdem ich wieder einmal damit auf die Nase gefallen bin.
Aber ich erkenne sie.
Ich entschuldige mich.
Und beim nächsten Mal versuche ich, ein bisschen besser aufzupassen.
Auf mich selbst.
Und auf andere.
Denn mein Ziel ist nicht, ein perfekter Mensch zu werden.
Ich möchte einfach ein bisschen besser sein als die Person, die ich gestern war.





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