💭 Gedanken

Als es noch richtige Winter gab

Schnee, Schlitten, Freunde und endloses Lachen: Erinnerungen an Winter, in denen die Welt noch wochenlang weiß war und der Schnee zum Abenteuerspielplatz wurde. ❄️🛷❤️

Als Kind konnte ich es kaum erwarten, bis endlich Schnee fiel. Ende November, Anfang Dezember schauten wir schon voller Vorfreude in den Himmel. Und sobald die ersten Schneeflocken kamen, wussten wir: Jetzt beginnt die schönste Zeit.

Damals fühlten sich die Winter noch ganz anders an. Nicht ein bisschen Schneematsch, der morgens fällt und am Nachmittag schon wieder verschwunden ist. Ich meine diese richtigen, tief verschneiten Winter, in denen man morgens aufwachte und den eigenen Hof kaum wiedererkannte.

Plötzlich war die ganze Welt ein riesiger weißer Spielplatz. ❄️

Als ich noch die Dorfschule besuchte, gab es Tage, an denen ein Freund und ich auf dem Heimweg fast ausschließlich durch die Straßengräben rutschten. Natürlich lag genau dort besonders viel Schnee.

Manchmal zog meine Mutter meinen besten Freund und mich sogar auf einem Schlitten nach Hause.

Damals erschien mir das vollkommen normal. Heute muss ich lächeln, wenn ich mir vorstelle, wie sie zwei Kinder durch den tiefen Schnee nach Hause ziehen musste. 😄

Später wechselte ich die Schule, und irgendwie verschwand damit auch ein Stück dieser alten Welt.

Eine Geschichte aus dieser Zeit werde ich aber vermutlich mein ganzes Leben nicht vergessen.

Ich war mit meiner anderen besten Freundin im Nachmittagsbus auf dem Heimweg. Eigentlich hätten wir gegen halb drei aussteigen sollen. Doch in einem der Dörfer blieb unser Bus im Schnee stecken.

Der Fahrer versuchte bestimmt fünfzehn oder zwanzig Minuten lang, den Bus wieder freizubekommen. Schließlich gab er auf und entschied, dass er weder unser Dorf noch das nächste anfahren würde.

Wir sollten zu Fuß nach Hause gehen.

Nun ja.

Unsere Laune wurde dadurch nicht unbedingt schlechter. 🤣

Ein Junge aus unserem Dorf kam mit uns. Die Erwachsenen liefen selbstverständlich vorne, während wir drei immer weiter zurückblieben.

Überall lag Schnee. Wir konnten rutschen, springen, uns gegenseitig mit Schnee bewerfen und hatten einfach einen Riesenspaß.

Plötzlich sahen wir, wie eine der Frauen vor uns ins Rutschen kam, sich einmal wunderschön um die eigene Achse drehte und anschließend spektakulär im Schnee landete.

Ich weiß, man sollte darüber eigentlich nicht lachen.

Wir haben trotzdem Tränen gelacht. 🤣

Ich sehe diese Szene heute noch vor mir. Bei ihrer Drehung flog ihr schöner roter Hut so herum, als wäre sie ein Cowboy, der gerade sein Lasso schwingt. 🤠

Bis wir uns wieder beruhigt hatten, waren die Erwachsenen längst weit voraus.

Als sie wahrscheinlich schon zu Hause ankamen, waren wir noch irgendwo auf dem Hügel unterwegs. Wir hatten überhaupt keine Eile.

Wir lachten, warfen uns mit Schnee ab, rutschten herum und waren einfach glücklich.

Dann erreichten wir den steileren Teil am Anfang des Tals und hörten plötzlich ein lautes Geräusch hinter uns.

Wir drehten uns um.

Der Schneepflug kam. 😳

Was nun?

„Alle an den Straßenrand!“

Leichter gesagt als getan.

Der Schnee lag so hoch, dass wir nicht einmal erkennen konnten, wo der Straßengraben begann. Einer von uns fand ihn schließlich trotzdem.

Allerdings eher unfreiwillig.

Er stürzte hinein und versank bis weit über die Hüfte im Schnee. 🤣

Natürlich blieben die anderen davon nicht verschont. Als wir endlich wieder aus den Schneemassen herausgeklettert waren, lagen wir schon wieder vor Lachen fast am Boden.

Wir waren Kinder.

Wir waren im Schnee.

Wir waren zusammen.

Was hätten wir mehr gebraucht?

Schließlich kamen wir mit gut einer bis anderthalb Stunden Verspätung zu Hause an. Durchgefroren, klatschnass, dreckig und vollkommen erschöpft.

Ich versuchte meiner Mutter zu erklären, was passiert war:

„Du glaubst mir nicht? Dann geh zum Nachbarn und frag sein Kind! Wir sind zusammen nach Hause gekommen!“

Irgendwann sagte sie einfach, dass sie mir glaubt. 😄

Für mich gehört dieser Heimweg bis heute zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen.

Vielleicht auch deshalb, weil wir noch in einer Zeit aufgewachsen sind, in der gefühlt jeden Winter Schnee lag.

Wir lutschten Eiszapfen, aßen Schnee, bewarfen uns gegenseitig damit, bauten unzählige Schneemänner und sogar kleine Iglus, wenn gefrierender Regen eine harte Kruste auf dem Schnee hinterlassen hatte.

Und natürlich fuhren wir ständig Schlitten. ⛄🛷

Am Wochenende konnten wir es kaum erwarten, zu unserem beliebten Hügel zu gehen. Dort trafen sich unglaublich viele Kinder und Jugendliche. Kleine Kinder, größere Kinder, Teenager – alle waren zusammen draußen.

Wer einen Schlitten hatte, brachte ihn mit.

Und wer keinen hatte?

Der blieb trotzdem nicht zu Hause.

Dafür gab es diese schönen dicken Plastiksäcke. Wir stopften sie mit Stroh oder Heu aus, damit wir uns nicht schon auf den ersten Metern sämtliche Knochen brachen, banden sie mit einer Schnur zu – fertig war der selbst gebaute Schlitten.

Draufsetzen und los. 🤣

Und ich schwöre euch: Manche dieser Säcke waren schneller als ein teurer Schlitten.

Manchmal rutschten wir sogar bis zur Straße. Bei richtig viel Schnee fuhr damals allerdings kaum jemand mit dem Auto. Und wenn doch jemand kam, war er so langsam unterwegs, dass wir mehr als genug Zeit hatten, aus dem Weg zu kommen.

Wir hatten keine Angst.

Es standen auch nicht ständig Erwachsene daneben, die überall nur mögliche Gefahren sahen.

Wir spielten einfach.

Ich liebte es außerdem, durch den Schnee zu laufen. Bis heute mag ich Schneefall – besonders am Abend.

Als Kind stand ich manchmal einfach draußen auf der Straße oder schaute aus dem Fenster und beobachtete, wie die Schneeflocken im Licht der Straßenlaternen funkelten und tanzten.

Darin liegt für mich bis heute etwas Magisches. ✨❄️

Wenn es abends schneit und ich die Flocken im Licht einer Laterne sehe, kommt dieses Gefühl sofort wieder zurück.

Ich erinnere mich auch an eine andere Wintergeschichte, als ich noch ein kleines Mädchen war.

Unser Grundstück war riesig und bestand aus drei Bereichen. Vorne war der Hof, dahinter der Hühnerhof und ganz hinten lagen Garten und Gemüsebeete.

Ich spielte vorne im Hof. Wir heizten damals mit Kohle und Holz, und mein Geschwisterkind trug gerade zwei Eimer Kohle ins Haus – einen für die Küche und einen fürs Zimmer.

Das ist allerdings gar nicht der wichtige Teil der Geschichte.

Aus irgendeinem Grund wollte man mich erschrecken.

Und ich tat das, was ein ordentlich erschrockenes kleines Kind eben tut:

Ich rannte los.

Dann rutschte ich aus und landete mit dem Gesicht voran im Schnee.

Als ich mich endlich wieder aufgerichtet hatte, dachte ich, jetzt würde ich wenigstens ein bisschen Mitleid bekommen.

Stattdessen wurde gelacht.

Ich verstand überhaupt nicht, was daran so lustig sein sollte. Ich hatte mich fürchterlich erschrocken, bekam kaum Luft und mein Gesicht war eiskalt.

Dann erfuhr ich den Grund.

Mitten auf meiner Stirn klebte ein festgefrorener Hühnerhaufen.

Ich sah aus wie ein Einhorn. 🦄🤣

Und wisst ihr, was das Beste daran ist?

Damals gab es noch keine modernen Smartphones.

Es existiert kein Foto davon.

Kein Video.

Und niemand konnte es irgendwo hochladen.

Gott sei Dank. 🤣

So blieb diese Geschichte wenigstens dort, wo sie hingehört:

in unseren Erinnerungen.

Vielleicht sind diese Geschichten gerade deshalb so stark. Sie wurden nie aufgenommen und trotzdem habe ich sie nicht vergessen.

Ich sehe noch immer den roten Hut im Schnee. Den Schneepflug. Meine lachenden Freunde. Die Schnüre um unsere selbst gebauten Schlitten. Die Schneeflocken, die im Licht der Straßenlaternen tanzten.

Und heute weiß ich, dass ich damals nicht nur den Schnee geliebt habe.

Ich liebte das Leben, das mit ihm verbunden war.

Der Schnee brachte uns zusammen. Man ging einfach nach draußen und irgendwo war immer jemand, mit dem man spielen konnte.

Wir mussten uns nicht verabreden.

Niemand musste ein Programm organisieren.

Es begann zu schneien – und wir rannten nach draußen. ❤️

Vielleicht vermisse ich deshalb diese richtigen Winter so sehr.

Ich vermisse Weihnachten mit kalter, klarer Luft, gefrorenen Straßen und einer dicken Schneedecke. Weihnachten, bei denen die weiße Landschaft irgendwie selbstverständlich dazugehört hat. 🎄❄️

Vielleicht verklärt unsere Erinnerung die Vergangenheit ein wenig.

Bestimmt gab es damals ebenfalls graue Tage, Schneematsch, kalten Regen und Winter mit weniger Schnee.

Trotzdem habe ich das Gefühl, dass damals jeder Winter seine eigene Geschichte hatte.

Vielleicht kommen solche Winter irgendwann wieder.

Vielleicht wachen wir eines Dezembermorgens auf und draußen liegt wieder eine dicke Schneedecke. Vielleicht machen Kinder wieder Schneeengel, bauen Schneemänner, fahren Schlitten und rasen auf einem mit Stroh ausgestopften Plastiksack einen Hügel hinunter.

Und wenn ich dann am Abend die Schneeflocken im Licht einer Straßenlaterne tanzen sehe, werde ich ihnen wahrscheinlich genauso zusehen wie damals.

Und vielleicht bin ich für einen kurzen Moment wieder ein Kind.

Denn manche Erinnerungen können selbst die wärmsten Tage nicht zum Schmelzen bringen. ❄️❤️

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