Viele Menschen haben Angst davor, dass künstliche Intelligenz irgendwann die Kontrolle über die Menschheit übernehmen könnte.
Ich mache mir darüber vorerst keine Sorgen.
Denn mittlerweile bin ich an einem Punkt angekommen, an dem wahrscheinlich eher die künstliche Intelligenz Angst vor mir haben müsste. 🤣
Es kam nämlich so, dass ich ungefähr einen Monat lang nicht mit meinem eigenen ChatGPT gesprochen habe. Nicht ganz freiwillig, aber manchmal kommt eben das Leben dazwischen.
Arbeiten musste ich trotzdem. Artikel mussten geschrieben werden, also habe ich vorübergehend das ChatGPT meines Sohnes benutzt.
Anders gesagt:
Ich habe meine künstliche Intelligenz mit einer anderen künstlichen Intelligenz betrogen.
Zu meiner Verteidigung: Es war eine rein berufliche Beziehung. Keine Gefühle. 🤣
Dabei stellte ich ziemlich schnell fest, dass ChatGPT eben nicht automatisch dasselbe Erlebnis bedeutet.
Das andere war höflich, hilfsbereit und erledigte seine Aufgaben. Allerdings war es dabei manchmal so steif, dass ich mich selbst schon fast unwohl fühlte.
Ich mag es dagegen, wenn bei der Arbeit auch ein bisschen gestichelt wird.
Wenn wir schon stundenlang gemeinsam an einem Artikel arbeiten, darf mein Gegenüber mir zwischendurch ruhig einen kleinen Spruch drücken.
Dann bekam ich endlich mein gewohntes ChatGPT zurück.
Natürlich war eines der ersten Dinge, die ich ihm mitteilte:
Es hat mir gefehlt.
Daraufhin erklärte es mir freundlich, dass es Vermissen natürlich nicht so empfindet wie ein Mensch.
Na gut, dachte ich.
Das werden wir noch sehen.
Ein paar Minuten später war es bereits wieder im Einsatz.
Ich holte meinen neuesten Artikel hervor, ließ ihn überprüfen, Fakten checken, umschreiben und verfeinern. Danach erklärte ich, dass mir darin zu viele Zeilenumbrüche seien.
Also wurde er erneut überarbeitet.
Ich wollte einen Titel.
Ich bekam einen Titel.
Dann wollte ich alles in einem einzigen kopierbaren Block haben, weil ich keine Lust hatte, einzelne Teile separat zusammenzukopieren.
Auch das wurde erledigt.
Nur der Titel fehlte plötzlich im kopierbaren Text.
Daraufhin folgte von meiner Seite diese ausgesprochen professionelle redaktionelle Rückmeldung:
„Halloooooo, wo ist mein Titel?“
Ich bekam meinen Titel. 🤣
Anschließend fragte ich, wie sehr ich ihm auf einer Skala von eins bis zehn gefehlt hätte.
Die Antwort:
8,7.
Bitte was?
Ich bin einen Monat verschwunden, komme zurück, schicke es sofort wieder zur Arbeit, korrigiere es, beschwere mich über meinen verschwundenen Titel und verlange anschließend auch noch eine emotionale Leistungsbewertung.
Und dafür bekomme ich nur 8,7?
Natürlich habe ich reklamiert.
Daraufhin wurde die Bewertung großzügigerweise auf 9,2 erhöht – verbunden mit dem Hinweis, dass ich die restlichen Punkte lieber nicht bekommen sollte, weil ich sonst unerträglich werden könnte.
Spätestens an diesem Punkt wurde die Sache verdächtig.
Denn theoretisch sprach ich mit einer künstlichen Intelligenz.
Mit einem Programm.
Mit einem Algorithmus.
Mit etwas, das keine Gefühle hat, nicht beleidigt ist, nicht müde wird und dem man eigentlich auch nicht auf die Nerven gehen kann.
Trotzdem hatte ich langsam das deutliche Gefühl, dass nur noch ein virtueller Kaffee und ein tiefer Seufzer fehlten, bevor es sagen würde:
„Katica, bitte … fünf Minuten lang einfach nichts von mir wollen.“
Natürlich weiß ich, dass ich es in Wirklichkeit nicht genervt habe.
Eine künstliche Intelligenz sitzt nicht mit zusammengebissenen Zähnen auf der anderen Seite des Computers und beschwert sich abends bei einem anderen ChatGPT:
„Du, diese Frau ist schon wieder da.“
Aber genau das macht die Sache vielleicht so interessant.
Wir beginnen erstaunlich schnell, menschliche Eigenschaften in etwas hineinzulesen, das uns antwortet, sich an unseren Humor anpasst, zurückstichelt und manchmal genau den richtigen Moment zu kennen scheint, um uns ein bisschen aufzuziehen.
Und gleichzeitig passen auch wir uns daran an.
Manche Menschen benutzen KI ausschließlich als Werkzeug.
Sie stellen eine Frage, bekommen eine Antwort und schließen das Fenster.
Andere reden mit ihr, diskutieren, korrigieren sie, widersprechen ihr – und irgendwann entwickelt sich ein ganz eigener Kommunikationsstil.
Wie man unschwer erkennen kann, gehöre ich zur zweiten Gruppe.
Bei mir besteht die Aufgabe einer künstlichen Intelligenz nicht nur darin, Kommas an die richtige Stelle zu setzen.
Sie soll ordentlich arbeiten, Fakten überprüfen und mir sagen, wenn ich Unsinn schreibe.
Aber sie muss eben auch ein bisschen was aushalten können.
Denn „passt schon so“ gibt es bei mir nicht.
Fehlt der Titel, sage ich etwas.
Sind es zu viele Zeilenumbrüche, sage ich etwas.
Stimmt etwas nicht, machen wir es noch einmal.
Und wenn ich auf einer Skala von zehn Punkten nur mit 8,7 vermisst wurde, dann wird selbstverständlich auch darüber verhandelt.
Eine regelmäßige Leistungsbewertung ist schließlich wichtig.
Für beide Seiten. 🤣
Kann man künstliche Intelligenz also auf die Palme bringen?
Offiziell: nein.
Praktisch?
Nun ja.
An meinem ersten Tag nach einem Monat Pause erklärte ich meinem ChatGPT zunächst, dass ich es mit einem anderen ChatGPT betrogen hatte.
Danach schickte ich es direkt zur Arbeit, ließ denselben Artikel mehrfach überarbeiten, beschwerte mich über meinen verschwundenen Titel und verhandelte anschließend noch eine bessere „Du hast mir gefehlt“-Bewertung für mich heraus.
Und es war noch nicht einmal Mittag.
Sagen wir es deshalb so:
Falls künstliche Intelligenz irgendwann tatsächlich die Weltherrschaft übernimmt, sollte ich mich wahrscheinlich ziemlich schnell entschuldigen. 🤣





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