📖 Geschichten

Der Tag, an dem ich beinahe selbst gegangen wäre…

Eine bewegende Geschichte über den Verlust eines ungeborenen Kindes, den Kampf ums eigene Leben und darüber, wie ein einziger Tag das Leben einer ganzen Familie für immer verändert.

Achtung! Diese Geschichte ist nicht leicht zu lesen.

Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich erneut schwanger wurde. Die Geschichte spielt in einer kleinen, ruhigen Stadt im Süden Ungarns.

Unsere ganze Familie freute sich riesig auf das neue Familienmitglied. Gemeinsam überlegten wir, ob es ein Junge oder ein Mädchen werden würde, welchen Namen das Baby bekommen sollte und mit wem es später das Zimmer teilen würde. Unsere beiden gemeinsamen Kinder stritten sogar darüber, wer das Baby später mehr lieben würde.

Doch die Schwangerschaft begann alles andere als einfach.

Zweimal brachte mich der Rettungsdienst ins Krankenhaus. Beim ersten Mal durfte ich mit meinem kleinen Bauchbewohner wieder nach Hause. Beim zweiten Mal kam ich allein zurück.

Ich hatte ständig Schmerzen und weitere Beschwerden. Trotzdem nahm mein behandelnder Arzt sie nicht ernst. Selbst nachdem bei zwei wichtigen Ultraschalluntersuchungen – in der 12. und 18. Schwangerschaftswoche – darauf hingewiesen wurde, dass unser Baby deutlich kleiner war als erwartet und dringend weitere Untersuchungen notwendig wären, winkte er nur ab.

Ich solle Magnesium nehmen, mich schonen und mir keine Gedanken machen.

Ich hielt mich daran.

Mit der Zeit wurde ich immer erschöpfter. Neben den Schmerzen litt ich unter einem ungewöhnlich starken Körpergeruch, obwohl ich mehrmals täglich duschte.

Dann kam der 1. September.

Auf dem Papier war ich in der 22. Schwangerschaftswoche. Im Krankenhaus sagte man jedoch, unser Sohn entspreche eher der Entwicklung eines fünf Monate alten Babys.

Ich brachte meinen Sohn noch zur Einschulung, ging anschließend nach Hause und legte mich schlafen, weil ich völlig erschöpft war.

Etwa anderthalb Stunden später stand ich in der Küche.

Plötzlich lief etwas Warmes an meinen Beinen hinunter.

Zuerst dachte ich, ich hätte Urin verloren.

Doch sofort wurde mir klar:

Etwas stimmt überhaupt nicht.

Ich rief meinen Mann an.

Er war gerade in einer wichtigen Telefonkonferenz und hörte das Telefon nicht.

Also bat ich unsere Tochter:

"Hol sofort Papa. Es ist ganz dringend."

Mein Mann kam die Treppe herunter.

Er fragte:

"Was ist passiert?"

Ich zeigte nur auf mich.

Blut lief unaufhaltsam an meinen Beinen herunter.

Ich selbst blieb erstaunlich ruhig.

Ich bat ihn nur darum, wegen der Kinder nicht in Panik zu geraten.

Während er den Rettungsdienst anrief, geriet die Disponentin hörbar in Stress.

Schließlich sagte ich zu ihr:

"Bitte atmen Sie einmal tief durch. Ich bin ruhig. Wenn Sie jetzt auch ruhig bleiben, helfen Sie mir am meisten."

Unsere Kinder schickten wir nach oben zum Spielen.

Kurz darauf traf ein unglaublich freundliches Rettungsteam ein.

Da wir in einem Reihenhaus wohnten, konnten sie mich nicht mit der Trage hinausbringen.

Sie setzten mich auf einen Transportstuhl.

Dafür musste ich aufstehen.

Vielleicht hat genau dieser Moment mein Leben gerettet.

Ich möchte die Details dazu lieber nicht beschreiben.

Ich trug nur ein langes T-Shirt und bat um eine Decke, damit ich bedeckt war.

Mitten durch die Innenstadt wurde ich zum Rettungswagen gebracht.

Und ausgerechnet in diesem Moment war meine größte Sorge, dass die Decke nicht verrutschen möge.

Als sich später die Tür des Rettungswagens schloss, dachte ich nur:

"Kata... das war's. Du wirst nicht mehr lebend nach Hause kommen."

Ich verlor über zwei Liter Blut.

Im Rettungswagen kämpfte ich gegen die Müdigkeit an.

Immer wieder wollte ich die Augen schließen.

Doch der Notarzt sprach ununterbrochen mit mir und hielt mich wach.

Er fragte:

"Wie können Sie in so einer Situation so ruhig bleiben?"

Ich antwortete:

"Wenn ich schreie und in Panik gerate, hilft das niemandem. So können Sie wenigstens mit mir arbeiten."

Im Krankenhaus erklärte man mir, dass unser Sohn viel zu klein sei.

Er hätte praktisch keine Überlebenschance.

Ich sagte nur:

"Bitte retten Sie ihn."

Doch die Ärzte erklärten mir behutsam, dass nun mein eigenes Leben oberste Priorität habe.

Erst vor dem Kreißsaal brach ich zum ersten Mal zusammen.

Ich weinte.

Als sich die Aufzugtüren öffneten, riss ich mich wieder zusammen.

Doch allein im Kreißsaal kamen die Tränen erneut.

Nach etwa zwei Stunden wurde unser kleiner Dani geboren.

Er lebte nicht mehr.

Ich rief meinen Mann an.

Ich erzählte ihm, wann unser Sohn geboren worden war und dass es keine Hoffnung mehr gegeben hatte.

Kurz darauf wurde ich in den Operationssaal gebracht.

Dort herrschte absolute Stille.

Niemand musste etwas sagen.

Die Gesichter des medizinischen Teams erzählten bereits die ganze Wahrheit.

Später erklärte mir mein behandelnder Arzt, wie lebensgefährlich mein Zustand tatsächlich gewesen war.

Ich erhielt starke Antibiotika.

Auch wegen des enormen Blutverlustes machten sich alle große Sorgen.

Körperlich erholte ich mich langsam.

Seelisch jedoch nicht.

Und ich war nicht die Einzige.

Unsere ganze Familie trägt diese Wunde bis heute in sich.

Diese Geschichte liegt inzwischen zwei Jahre zurück.

Noch immer fällt es mir schwer, darüber zu sprechen oder zu schreiben.

Vielleicht wird es mit der Zeit leichter.

Vielleicht auch nie ganz.

Zum Schluss möchte ich dem Rettungsdienst und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Krankenhauses von Herzen danken.

Ohne sie würde ich diese Zeilen heute vermutlich nicht mehr schreiben.

„Manche Wunden sieht niemand. Und doch begleiten sie uns ein Leben lang. Aber manchmal bedeutet Stärke einfach nur, trotzdem weiterzugehen.“ 🤍

☕ Katicas Gedanke

Das Leben stellt uns manchmal auf die Probe. Nicht alles können wir ändern – aber wir können entscheiden, wie wir später darüber erzählen.

💬 Kennst du solche Tage?

Teile deine Geschichte gern in den Kommentaren.

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