Mein Vater war kein einfacher Mensch. Er war oft angespannt und galt als temperamentvoll. Trotzdem versuchte er immer, seine Liebe zu zeigen – auch wenn ihm das nicht leichtfiel.
Meine Mutter versuchte ihm zu zeigen, wie sich Ruhe und Geborgenheit anfühlen können. Vielleicht fiel ihm das deshalb so schwer, weil er selbst ohne viel Zuneigung aufgewachsen war.
Sein eigener Vater kämpfte im Zweiten Weltkrieg, geriet in Kriegsgefangenschaft und musste später nach Ungarn fliehen. Diese Erlebnisse hinterließen tiefe Spuren und prägten vermutlich auch die Art, wie er selbst Vater wurde.
Mein Vater liebte Pflanzen und die Natur. Später arbeitete er siebzehn Jahre lang als Präzisionsgießer. Er kannte jede Straße in Pécs und war für viele Menschen wie ein lebendes Navigationssystem.
Er war außergewöhnlich intelligent.
Geschichte, Mathematik, Bücher und Kreuzworträtsel gehörten zu seinem Alltag. Er wusste über unglaublich viele Dinge Bescheid und erzählte stundenlang spannende Geschichten.
Nur Gefühle auszusprechen fiel ihm schwer.
Aber er versuchte es.
Und heute weiß ich, dass genau das zählt.
Als Kind bekam ich ihn oft kaum zu Gesicht.
Wenn er zu Hause war, schlief er meistens oder ruhte sich von den langen Schichten aus. Manchmal arbeitete er 24, 48 oder sogar 72 Stunden am Stück.
Nach der Schließung der Gießerei musste er früh in Rente gehen.
Trotzdem fand er schnell neue Aufgaben. Er lernte kochen und backen, kümmerte sich um Haus und Garten und blieb immer beschäftigt.
Viele Menschen hielten ihn zunächst für mürrisch.
Doch wer ihn näher kennenlernte, änderte seine Meinung schnell.
Ich werde seine Geschichten niemals vergessen.
Besonders gern erzählte er von seiner Arbeit, von geschmolzenem Eisen, seiner Militärzeit und den Erlebnissen seines Lebens.
Leider forderten die harte körperliche Arbeit und viele Jahre mit zwei bis drei Schachteln Zigaretten täglich ihren Preis.
Gefäßerkrankungen, Herz- und Lungenprobleme sowie später rheumatoide Arthritis machten ihm schwer zu schaffen.
Mit nur 59 Jahren schlief er für immer ein.
Bis heute vermisse ich ihn sehr.
Was ich am meisten bereue, ist, dass ich ihm nicht oft genug gesagt habe, wie sehr ich ihn liebe.
Und wie stolz ich darauf bin, seine Tochter zu sein.
Mit den Jahren verstehe ich ihn immer besser.
Als Kind sah ich seine Strenge.
Heute sehe ich den Mann, der sein ganzes Leben für seine Familie gearbeitet hat und seine Liebe durch Verantwortung, Fürsorge und Taten zeigte.
Nicht jeder liebt auf dieselbe Weise.
Manche mit Worten.
Andere mit Umarmungen.
Und manche mit ihrem ganzen Leben.
Wenn diese Geschichte eine Botschaft hat, dann diese:
Wartet nicht zu lange.
Sagt euren Liebsten, wie wichtig sie euch sind.
Nehmt euch Zeit füreinander.
Hört euch ihre Geschichten an.
Denn irgendwann bleiben nur noch die Erinnerungen.
Ich kann meinem Vater heute nicht mehr sagen, wie sehr ich ihn liebe.
Aber ich hoffe…
dass er es irgendwo weiß.
Ich vermisse dich, Papa. ❤️





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